Von der Raupe zum Schmetterling
Transsexualität & Gesellschaft

Gedanken und Aktivitäten

zum Thema Transidentität/Transsexualität in Politik, Medien und Gesellschaft

Im Folgenden habe ich einige Gedanken zum Thema Transidentität/Transsexualität und Intersexualität in Medien, Politik und Gesellschaft ausgeführt. Zu oft gibt es hier Irritationen und, aus meiner Sicht, fragwürdige Betrachtungen, wie ich bei Gesprächen, Diskussionen, oder in den Medien immer wieder feststelle.

Ein entspannter, offener, respektvoller und beidseitig toleranter Umgang, den ich selbst lebe und mir gegenüber genauso empfinde, ist leider nicht Gesellschaftsumspannend an der Tagesordnung.

Der gewünschte Soll-Zustand sähe für mich etwas anders aus...


Dazu habe ich auf Einladung auch ein schriftliches Statement im Familienausschuss des Bundestages abgegeben, da ich zum Termin der öffentlichen Anhörung leider verhindert war.

Den Antrag von "Bündnis 90/Die Grünen" für einen, auf den ersten Blick gut klingenden, letztlich aber eher fragwürdigen Aktionsplan und meine Stellungnahme können Sie über die folgenden Links abrufen.

Kleine Anmerkung: ich stehe zwar namentlich auf der "Expertenliste", aber es wird nur 1 Gegenstimme benannt. Meine Stimme zählte nicht, weil ich nicht anwesend sein konnte, und mein schriftliches Votum, nicht galt.

Bündnis 90/Die Grünen -

Aktions­plan für se­xuelle und

ge­schlechtliche Vielfalt

Gedanken zum Thema Transidentität und Gesellschaft...


Die Darstellung des Themas Transidentität/Transsexualität und Intersexualität in Medien und Politik ist aus meiner Sichtweise heute relativ problematisch.

Auf der einen Seite ist es erfreulich, dass trans* Personen heute fast selbstverständlich in Medien vorkommen, wenngleich oftmals noch mit einem Schimmer von Exotic, auch auf Seiten der Politik das Thema existent ist. Doch auf der anderen Seite ist genau diese Präsenz, besonders im politischen Bereich, oftmals eher fragwürdig.

Das Grundpoblem dabei ist aus meiner Sicht die Vermengung aller Schattierungen von "Anders-Geschlechtigkeit" und die Verbindung zu eher ideologischen Betrachtungsweisen, wie der "Gender-Ideologie". Ich nenne es bewußt nicht Wissenschaft, es ist in meiner Wahrnehmung eine pseudo-wissenschaftliche Art der Betrachtung von Geschlecht und Gesellschaft, die der Mehrheits-Gesellschaft mehr oder weniger aufgedrängt werden soll.


Unter dem Sammelbegriff Transgender wird alles vereinnahmt, was jenseits der bi-polaren Geschlechter-Definition zu finden ist.

"Transgender sind alle, die nicht in dem Geschlecht leben können oder wollen, welchem sie bei ihrer Geburt zugeordnet wurden."

Dabei wird fatalerweise nicht zwischen wollen und können unterschieden, es spielt keine Rolle, ob Menschen nichts anderes als eine eigene Vorstellung von Lebensweise haben und ausleben, zwischen den Geschlechtern wechseln wollen, damit gar spielerisch-künstlerisch umgehen, wie Transvestiten oder DrugQueens, oder ob Menschen unter einer körperlich-seelischen Diskrepanz, einem medizinisch begründeten Leidensdruck im Kontext der genetisch-biologischen Geschlechtszuweisung leiden - das betrifft eben Transidente/Transsexuelle, und als ganz besondere Gruppe, Intersexuelle.


Für alle "Spielarten" der erstgenannten Gruppe gibt es heute unzählige, für mich teilweise befremdliche Begriffs-Schöpfungen, wie geschlechts-neutral, queer-geschlechtlich, queere Menschen, Queere, divers usw., und die Kommunikations-Scharmützel zu diesem Thema sind teilweise erstaunlich.

Zunehmend wird heute die Begrifflichkeit des "sozialen Geschlechtes" verwendet, das man sich auswählen könne, und in der Steigerung - spätestens hier wird es ideologisch - wird gar das biologische Geschlecht als überholtes Konstukt abgelehnt.

Selbst in meinen Zeitungsporträts haben die Journalisten, trotz klarer Aussage meinerseits dazu, die Begrifflichkeit "Änderung ihres soziales Geschlechts" für meinen Weg verwendet. Erst durch meine erneute Intervention wurde es wenigstens Online noch korrigiert.


Ich habe mir mein Schicksal als Transfrau nicht ausgesucht, es ist kein beliebiger Wechsel in eine neue sozial bedingte geschlechtliche Rolle, und... niemals werde ich eine 100%ige biologische Frau sein. Doch mit Stolz kann ich heute über mich sagen: Ich bin Frau, eine besondere Frau!


Als Transfrau lasse ich mich keinesfalls von dieser ideologischen Sichtweise vereinnahmen, und ich kenne persönlich (damit meine ich, sich schon in die Augen geschaut zu haben) keine Transfrau, die das anders sieht.

Transfrauen und Transmänner haben eine Diskrepanz zwischen ihrem biologisch-genetischem und ihrem gefühlten Geschlecht, und möchten ihren Körper medizinisch ihrem gefühlten Geschlecht angleichen. Sie lehnen das bi-polare Geschlechtermodell mehrheitlich gerade nicht ab.

Diese Angleichung ist ein langwieriger, mühsamer und teilweise schmerz- und leidvoller Weg, weit weg von der Spaßgesellschaft und exzentrischen Selbstdarstellungen sogenannter "Transen" (ein schreckliches Wort!) oder Transgender, die nichts anderes tun, als ihr spezielles Lebensgefühl auszudrücken, aber letztlich mit Transsexuellen in einen Topf geworfen werden, und so ein oft bizarres Bild in der Öffentlichkeit formen.


Wo politisch besonders offensiv, unkritisch und undifferenziert von bunter und offener Gesellschaft gesprochen wird, ist damit in Wirklichkeit eher gemeint, dass alle Menschen einfach ihr gefühltes "soziales Geschlecht" so ausleben sollen, wie es ihnen passt, und die Mehrheitsgesellschaft das widerspruchslos respektieren, nein sogar gutheißen soll. Alles andere verfällt reflexartig dem Stigma der Diskriminierung.


Das ignoriert letztendlich aber die Besonderheit der Transidentität/Transsexualität und Intersexualität, erklärt sie ebenfalls zur Lebensart, und verweigert in letzter Konsequenz die medizinische Unterstützung für diese Menschen, da es ja keine medizinische Besonderheit (Krankheit) mehr ist. Warum sollten Krankenkassen in dem Fall noch nötige Angleichungs-Operationen bezahlen? Diesen Aspekt ignorieren leider auch viel Aktivistinnen in den entsprechenden Communities.


Das vereinen aller Formen von "Anders-Geschlechtigkeit" im Begriff Transgender ist also keineswegs nur ein simpler Sammelbegriff, eine Sprachvereinfachung, ein sprachlicher Lapsus - nein, es ist Programm in bestimmten politischen Kreisen!

Das Programm hat die Auflösung klassischer Familien- und Geschlechterstrukturen als kleinster Keimzelle der Gesellschaft, damit der sozialen Basis unserer Gesellschaft, zum Ziel.


Aus diesen Gründen bin ich strikt dagegen, das Transsexuellen-Gesetz abzuschaffen, oder so aufzuweichen, dass der Aspekt der "Krankheit" und die nötigen Prozesse auf dem Weg zur Aufhebung dieser Diskrepanz zwischen Körper und Seele, zur Angleichung an das empfundene Geschlecht entfallen. Der Zusatz "psychisch" zum Krankheitsmerkmal darf hingegen gern entfallen.

Psychische Begleitung und Begutachtung für die nötigen Schritte, wie Hormon-Therapie, Personenstandsänderung, Vornamenänderung und geschlechtsangleichende Operationen sind eben keine Diskriminierung, sondern sinnvolle und oft auch nötige Begleitung und Maßnahmen für einen besonderen und schweren Weg, den niemand zum Spaß geht, und der in aller Regel unumkehrbar ist.

Verbesserungen, und an manchen Stellen - besonders bei den Krankenkassen - deutliche Änderungen mancher Vorgaben, dürfen jedoch gern geschehen, und sind nötig.


Hier hätte die Politik, wollte sie tatsächlich etwas zum Wohl der Betroffenen beitragen, genug zu tun!


Diese ideologische Sichtweise und Vereinnahmung des Themas erzeugt heute in meiner Wahrnehmung in der Mehrheitsgesellschaft eher eine etwas genervte Abwendung vom Thema oder gar den Betroffenen, weil man es als Überhöhung von Minderheiten- oder Gruppeninteressen sieht, und die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gewahrt sieht.


Engagierte Menschen in den entsprechenden Gruppen, Foren und Organisationen auf dem Gebiet von Transidentität/Transsexualität wären gut beraten, sich von diesen ideologischen Sichtweisen deutlich abzugrenzen, wollen sie wirklich positive und zugleich verbindende Änderungen hier und da bewirken. Andernfalls werden sie in die für mich und viele Andere eher negativ besetzte Schablone "Aktivisten" einsortiert.

Weil das jedoch leider oft nicht der Fall ist, dort oft engstirniges "Lobbydenken" und eine gewisse "Opfermentalität" herrscht, Toleranz zwar gefordert, aber oftmals selbst Außenstehenen gegenüber nur spärlich entgegengebracht wird, habe ich ein sehr distanziertes Verhältnis zu solchen Vereinigungen, die doch auf der anderen Seite für viele Betroffene so wichtig sind, weil sie nach dringend nötiger Orientierung und Hilfe suchen.


Dringend wäre also in meiner Sichtweise Folgendes nötig:

Ende der Opfer- und Forderungs-Kultur gegenüber der Mehrheitsgesellschaft, unspektakulärer und offener Umgang miteinander, sowie Toleranz und Respekt beidseitig.

Dann klappt auch das harmonische Zusammenleben - sollte doch machbar sein, oder?



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