Von der Raupe zum Schmetterling
GaOp-Folgen

GaOp und mögliche Folgen

Sigma-Lead Dr. Kaushik, OP-Folgen

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Post-operative Erfahrungen


In meinem Buch habe ich im Kapitel GaOp auch über eine unschöne Nebenwirkung meiner Operation geschrieben, einer Senkung der Beckenboden-Muskulatur. Besonders Frauen, die Kinder zur Welt brachten, können davon ein Lied singen.

Damals habe ich das als direkte Folge der OP-Methode gesehen, was durchaus logisch erschien. Im Unterschied zur Penilen Inversion (PI) muss bei der Sigma-Methode durch die Beckenboden-Muskulatur hindurchgearbeitet werden, um das resezierte Stück Sigma-Darm in den neu geschaffenen Vaginalraum zu bringen, schließlich bleibt es mit seiner Blut- und Nervenversorgung verbunden.

Es leuchtet ein, dass dabei eine Gefahr besteht Muskel- oder Nervengewebe zu verletzen.

2 Jahre lang hatte ich versucht, die geschädigten Nerven und die betroffene Muskulatur (Levator ani) mit Gymnastik und TENS-unterstützung zu reaktivieren, was durchaus zu Erfolgen geführt hatte, die mir jedoch nicht ausreichend genug erschienen.

Wie sagte mein Proktologe einmal dazu: "fühlen sie sich, als hätten sie 2 Kinder geboren..."


Nach intensiver Beratung und Beschäftigung mit der Thematik beschloss ich, die Sache nochmals operativ anzugehen. Dazu gibt es in DE eigentlich nur 1 Adresse, einen Arzt, der sowohl Beckenboden-Spezialist, als auch erfahrener Operateur für GaOp ist.

Die Diagnose einer Voruntersuchung deckte sich mit denen meines hoch geschätzten Proktologen, der leider 1 Jahr zuvor verstorben war. Es schien, ähnlich der bekannten Thematiken bei Gebärmuttersenkung, nur mit einem einzuziehenden Geflecht oder Bändern machbar zu sein.

Zu seiner Überraschung und meiner Freude fand er jedoch während des Eingriffes die wahre Ursache für einen Großteil des Problems – eine gerissene Faszie, was zuvor auch durch MRT nicht zu erkennen war – die Devonvilliersche Faszie.

Beim Mann spricht man von „Rektoprostatische Faszie“, bei der Frau von „Rektovaginale Faszie“. Etwas vereinfacht ausgedrückt verläuft die Faszie beim Mann zwischen Blase/Harnröhre/Prostata und Rektum, bei der Frau liegt die Vagina vor der Blase, somit zwischen Vagina und Rektum. Befestigt ist sie kaudal-ventral über das Ligament am Schambein und kranial-dorsal über das Ligament am Steißbein.

Bei Transfrauen wird somit aus der rektoprostatischen Faszie die rektovaginale Faszie – stark vereinfacht…

Er konnte die Faszie über einen minimal-invasiven Vaginalzugang nähen und neu apikal fixieren. Bänder oder Netz einzuziehen war somit unnötig.


Im Zuge der Heilung konnte ich die unmittelbare und die nachfolgende schrittweise Änderung spüren, die Senkung reduzierte sich. Es ist jetzt 10 Wochen her, wo der Endpunkt sein wird, wird sich zeigen – 100% werden es sicher nicht wieder. Möglicherweise ist die Faszie auch nur der Hauptteil der OP-Folge, die zur Beckenboden-Senkung führte. Eine prinzipielle Gewebeschwäche und eventuelle weitere kleine Nerven-Irritationen, die zu Muskelschwächungen führen könnten, sind nicht ausgeschlossen.

Die 2-jährige TENS Eigenbehandlung war daher sicher nicht sinnlos, aber konnte auch nicht mehr bewirken. Muskel, die aus ihrer natürlichen Lage geraten sind, können auch durch Training nicht wirklich aktiviert werden. Das kann erst jetzt schrittweise erfolgen.


Die wichtigste Botschaft aus dieser Story ist jedoch eine ganz Andere und der eigentliche Grund für die relativ ausführliche Erklärung.

Die Ursache der Beckenbodensenkung war nicht zwingend in der OP-Methode SIGMA zu suchen, wie zuerst vermutet wurde. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist die Faszie beim Dehnen des Unterleibes zur Schaffung des künstlichen Vaginalkanals gerissen, der vom Operateur manuell zwischen Blase und Rektum geschaffen wird, und nicht bei der Durchführung des resezierten Sigma-Stückes durch die Muskulatur. Dafür spricht die Lage der Faszie, mit der ein Operateur bei jeder GaOp-Methode in Berührung kommt.

Diese Feststellung ist mir wichtig, denn andernfalls bleibt ein Zweifel bei der Risiko-Betrachtung dieser OP-Methode, der in dem Maße gar nicht gegeben ist. Das ist für Transfrauen wichtig, die vor der Entscheidung zur GaOp stehen, und nach der für sie besten Methode und dem besten Arzt suchen.


Es ist keinesfalls eine völlige Entwarnung, denn zweifelsfrei hat diese Methode, neben vielen Vorteilen, den Nachteil der zusätzlichen Darm-OP, wobei auch die Beckenboden-Muskulatur eine stärkere Rolle spielt, als bei einer herkömmlichen „Penilen Inversion“, was mit zunehmendem Alter bedeutungsvoller wird.

Doch die Vermutung oder Fehlannahme, dass mein Beckenboden-Problem prinzipiell der Methode geschuldet sei, ist nicht mehr haltbar – eine gute Erkenntnis!