Von der Raupe zum Schmetterling
Aller Anfang...

Transsexualität/Transidentität - aller Anfang...

Familie, Freunde, Unsicherheit, Angst, Fühlen, Leiden, Gedankenchaos

Wie und wo fange ich an?


Seit ca. 5 Jahren bin ich nun effektiv und konkret in Sachen Transition unterwegs, Ende 2015 fiel die endgültige Entscheidung für meinen Weg, vor 3 Jahren waren die VÄ/PÄ und die großen OP’s – aufregende Zeiten, das ist gewiss.

Ich bin heute eine glückliche Frau, habe mein Ich gefunden, bin angekommen.

Oft hörte ich seitdem viele Statements mir gegenüber, ausnahmslos positiv, was nicht bedeutet, dass es andere Sichten nicht auch gegeben haben wird…

Mut, Authentizität, Natürlichkeit, Geradlinigkeit, tolles Aussehen, „gar nicht so, wie man oft…“ waren so die Klassiker dabei.

Ja, das fühlte und fühlt sich gut an, und genau so geht es mir auch – rundum gut – was mein Leben betrifft, soweit ich Einfluss habe. Es gibt ja Dinge, aber lassen wir das…


Hach, bin ich toll... oder warum schreibe ich das zu Beginn? Ganz einfach - Mut machen, eine positive Perspektive sind gute Einstiegshilfen für Menschen, die unsicher sind.


Ab und an melden sich Menschen bei mir, die ganz am Anfang stehen, gerade erkennen, dass etwas an ihnen nicht stimmt, anders ist. Keine Bange, es stimmt alles, es ist nur anders!

Die häufigsten Fragen sind – wohin mit mir, wie fange ich das alles an, was mache ich zuerst. Gefolgt von – wie sage ich es meinen…

Ganz klar, das sind fundamentale Themen auf dem Weg, und für Viele sind die Fragen unlösbar miteinander verbunden, und das oft nicht förderlich.


Hier einmal ein paar Gedanken zu den Fragen – wohin mit mir, wie fange ich an?

Das wird natürlich für fast Alle unterschiedlich sein, zumindest in einigen Aspekten. Die entscheidenden Fragen dafür sind – wie stabil ist Deine Psyche, wo stehst Du, wie fühlst Du Dich, wie sieht Dein Umfeld aus?

Bist Du psychisch gut aufgestellt, hast Du ansonsten keine größeren psychologischen Belastungen, dann kannst Du einfach Deinen Weg der Transition starten, denn Transition wird für Jede/Jeden anders verlaufen, nicht jeder wird schnellstmöglich Operationen anstreben. Da sind das Outing im privaten und beruflichen Umfeld, da sind all die Fragen um die medizinischen Aspekte, zu denen man sich aus meiner Perspektive viel eigenes Wissen aneignen sollte, um später richtige Entscheidungen fällen zu können.

Bist Du ganz klar mit all den Aspekten, ist die dritte der Eingangsfragen - was mache ich zuerst - relativ einfach zu beantworten. Es ist es von großem Vorteil sich alsbald auf die Suche nach einer optimalen, also mit dem Thema gut vertrauten, psychologischen Begleitung zu machen, denn die ist verpflichtend – auch sinnvoll – und führt am Ende im besten Fall auch dazu, dass man gleich 1 der beiden geforderten Gutachter hat, die man später für die VÄ/PÄ und die GaOp benötigt, aber ebenso für die Ausstellung der Indikation F64.0 für Barthaar-Entfernung und HRT benötigt , evtl. auch Brust- und Stimm-OP, wenn man die Krankenkassen an den Kosten beteiligen möchte.


Etwas anders sieht es aus, wenn man noch recht unsicher ist, noch nicht genau weiß, ob das tatsächlich der richtige Weg ist, und keine richtige Vorstellung vom Kommenden hat, oder - und hier sind wir bei den schwierigsten Einstiegs-Fragen - wenn scheinbar oder offenkundig die essentielle Frage "mein Leben" oder "meine Frau/Mann/Familie" im Raum steht. Das ist für viele Betroffene der Fall, und dann wird die dritte Frage - was mache ich zuerst - sehr esentiell.


Hier gibt es mehrere Ansätze. Wieder spielt das Umfeld, der Familien- und Freundeskreis eine wichtige Rolle.

Wenn man hier Personen im Umfeld hat, mit denen man vertrauensvoll darüber sprechen kann, ist es erheblich einfacher. Wenn aber schon hier große Hürden, Unsicherheiten und Ängste bestehen, dann ist guter Rat teuer.

Mein Rat ist hier, sich ebenfalls vertrauensvollen psychologischen Beistand zu holen. Es ist in der Situation ganz wichtig, sich nicht in seinem eigenen Saft zu wälzen, das Thema vor sich her zu schieben, weil man keinen Ausweg findet, sondern nach Außen zu gehen, Ansprache zu finden. In DE sind Psychologen/Psychiater oft mit etwas „Negativem“ verbunden, es fühlt sich für viele Menschen nicht gut an. Das ist aus meiner Sicht ein Vorurteil, dass man überwinden sollte.  Wer anderswo keine Ansprache findet, sollte diesen Weg unbedingt beschreiten, um Klarheit für sich zu finden. Nur, wenn man für sich klar ist, weiß, was man erreichen möchte, wird auch das „wie“ erkennbar werden, und wird der kommende Weg zu meistern sein, und das auf so gute, wie nur mögliche Art und Weise. Das ist sehr wichtig, denn der Weg ist – für mich – nicht nur Mittel zum Ziel, zum Zweck. Dieser Weg, die Zeit der Transition, ist, wenn man es richtig angeht, ein wunderbarer, wenn auch nicht immer leichter, Lebensabschnitt, der definitiv besonders und einmalig ist.

Das ist ganz nebenbei auch meine wichtigste Empfehlung an Alle, die schon auf dem Weg sind. Macht diesen Weg zum Weg der Freude, lasst die Probleme und Hindernisse nicht bestimmend werden - der Weg wird ein einmaliger Abschnitt im Leben sein, wenn ihr selbst dafür sorgt!


Am Schluss dieses kleinen Ausfluges in das Thema noch eine kleine Tipp-Serie.


Probleme an und aussprechen, kein Selbstmitleid, keine Opfermentalität, Nichts überstürzen, Nichts voreilig entscheiden, Nichts überziehen, Nichts überzeichnen, so natürlich und authentisch wie möglich, bei sich bleiben oder zu sich kommen – dann wird am Ende alles gut!

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